Liberale für BDP

FRANK A.MEYER - RINGIERS CHEFPUBLIZIST UND MEINUNGSF܈RER

PIRMIN MEIERS DIFFERENZIERTE KRITIK AM "SEELĎDER VOLTAIRE"

Autor Pirmin Meier, von Schriftsteller Hansj⧠Schneider als "liberalkonservativer Denker" charakterisiert, konnte den unten stehenden Essay 岠Frank A. Meyer "im Schweizer Monat" nur online publizieren. Wir geben hier die Originalfassung wieder. Neben einer W䩧ung von Frank A. Meyer, sicher nicht zum "Seel䮤er Voltaire" stilisiert, erh䬴 der Beitrag auch Kritik. So ist es nicht richtig, dass Friedrich A. von Hayek den "Glauben an den Markt" verk䥮 w䥮 Der neupositivistische Ansatz Hayeks hat im Unterschied zum Marxismus eben gerade nichts mit einem pseudowissenschaftlichen Glaubensbekenntnis zu tun. ܢerdies zeigt Historiker Meier, dass die Neoliberalen, so weit sie noch vom Geist von Mont P鬩rin beseelt sind, sich keineswegs als wertfreie Verg亥r des Geldes sehen. Der erfahrene kritische Katholik Pirmin Meier 䵳sert sich im Gegensatz zu Frank A. Meyer und Jakob Augstein skeptisch gegen岠einer ܢersch䴺ung von Papst Franziskus. Es ist noch lange nicht zum "Katholischwerden".

Die am st䲫sten beachteten Publizisten opponieren dem Zeitgeist, den sie dabei gleichzeitig repr䳥ntieren. Vieles mag man Frank A. Meyer vorwerfen, nur eines nicht: Dass er dem Risiko ausweiche, zwischen St쥠und B䮫e zu geraten. Die vielfach schadenfroh nacherz䨬te Anekdote um Otto Stich (1927-2012), dieser verzichte auf einen Arbeitslunch mit Frank A. Meyer, weil er als Bundesrat beim Arbeiten nicht esse und beim Essen nicht arbeite, h䮧t mit dem Elefantenged䣨tnis des Finanzministers zusammen. Dieser vergass es n䭬ich nicht, dass Meyer es mit Helmut Hubachers "Viererbande" gehalten hatte, f෥lche die Wahl Lilian Uchtenhagens in den Bundesrat eine Priorit䴠ohne Alternative war. Stich war bekanntlich anstelle Uchtenhagens gew䨬t worden.

Zu einem aussergew讬ichen Profil im Journalismus gehⴠes, zu normaler Umstrittenheit hinzu verhasst zu werden und Neider auf sich zu ziehen. Anerkennung und Bewunderung auf der einen Seite. Ablehnung bis zu Hohn und H䭥 geh⥮ mit dazu.

Als eine Art Ziehsohn von Altverleger Hans Ringier mit Vertrauensverh䬴nis zu dessen Nachfolgern Michael und Ellen Ringier gelang es Frank A. Meyer mit geistiger Energie, Geschick und kontinuierlicher Pr䳥nz, dem einstigen Heftli- und Boulevardverlag so etwas wie ein publizistisches Profil zu verpassen. Nat쩣h konnte der "Blick" nicht neu erfunden werden, und das deutsche Magazin "Cicero" dient eher einem achtenswerten Prestige als dem Gesch䦴. Wichtiger ist, dass ohne eine informelle Orientierungsgr㳥 einem wirtschaftlich starken und international vernetzten Verlagshaus das Wegdriften in die gesellschaftliche und politische Meinungslosigkeit gedroht h䴴e. Selbst auch im deutschen Verlagshaus Axel Springer gen䥠es nicht, den Boulevard ausschliesslich nach primitiv demoskopischen und rein populistischen Massst䢥n zu bewirtschaften.

Die Rolle von Chefpublizisten bei Ringier und Springer

Ohne publizistische Ausrichtung verliert ein Verlagshaus, in dem sich gleichzeitig Medienmacht und gesch䦴liche Ausrichtung manifestieren, langfristig an Glaubw䩧keit. Das w䥠auch weniger Kraft bedeuten. Parteipolitisches im engeren Sinn war und ist kaum wichtig. Eher schon eine Profilierung nach einigen Standards von Demokratie und Menschenrechten. Bei Springer wurde in der Nachkriegszeit zus䴺lich ein von Amerika her mitbestimmtes Deutschlandbild wichtig, in dem deutsch-j鳣he Auss讵ng, Solidarit䴠mit Israel, Westorientierung und ein nach dem Grundgesetz "orientierter demokratischer Verfassungspatriotismus" wegleitend wurden. Zum letzteren Schlagwort bekennt sich im Orelli-F㬩-Portr䴠"Was unsere Demokratie jetzt braucht Gespr䣨e mit Jakob Augstein" auch F.A. Meyer. Dass die Rolle eines profilierten Meinungsmachers mit massiver Umstrittenheit einhergeht, bei der Schreibzunft st䲫er als beim Publikum, war bei den f⥮den Publizisten der Springer-Presse normal. Ĩnlich zuverl䳳ig verhasst wie Meyer in der Schweizer Publizisten-Szene der vergangenen Jahre war Springers Leitstimme in den sechziger und siebziger Jahren, der Journalist und Schriftsteller Hans Habe (1911-1977). An ihm l䳳t sich, analog zu Frank A. Meyer, die Funktion eines publizistischen Leitwolfs aufzeigen. Fऩesen Befund spielt die h㨳t unterschiedliche politische Ausrichtung der beiden kaum eine Rolle.

Der ehemalige amerikanische Presseoffizier Hans Bekessy (HaBe) praktizierte 岠Jahrzehnte eine "brillante Schreibe", analog dem bei Buckleys amerikanischem Magazin "National Review" zum Kalten Krieger ausgebildeten einstigen Ossietzky-Weggef䨲ten William S. Schlamm (1904-1980), der zun䣨st bei Henri Nannens "Stern", sp䴥r in der "Welt am Sonntag" die mitunter 䴺ende politische Kolumne, den provokativen Sonntagskommentar, erstmals auf klassische H襠brachte. Sp䴥r 岮ahm anstelle des exzessiven Kalten Kriegers Schlamm der politisch vorsichtigere, daf੮ der perschen Polemik umso giftigere Hans Habe diese Funktion. Wie bei "Sonntagsblick" jenseits von FAM oft nur der Sport als Substanz ⩧ bleibt, zeigte in den Springer-Bl䴴ern jeweils Hans Habe treffsicher in seinen "Zielscheiben" auf, was Sache ist. Medienpolitisch und beim Ziehen von F䤥n war Habe nicht un䨮lich wie Frank A. Meyer seinerseits erfolgreich. ܢer Habe, der lange von Ascona aus publizierte, formulierte ein wenig gelesener deutscher Kollege: "Das Wasser stinkt, die Luft ist rein. / Hans Habe muss ertrunken sein."

Unbeschadet der Praxis des Gehasstwerdens und des Hassens war Hans Habe zweifelsfrei ein Demokrat und ein durch und durch b祲licher Republikaner, wie Frank A. Meyer ein Freund Israels und mit prominenten Politikern in gesellschaftlichem Austausch. Habes St䲫e war, fͩllionen lesbar wie seine Bestsellerromane, die pr亩s formulierte Kolumne. Ein publizistischer Nachfolger desselben unter den israelfreundlichen Antilinken ist Henrik R. Broder, dessen Islamkritik mit derjenigen von Meyer weitestgehend 岥instimmt.

Steht guter Journalismus immer links?

Einen Vergleich mit Hans Habe, Henrik R. Broder oder dem Meisterkolumnisten der antitotalit䲥n Polemik von 1937 bis 1980, William S. Schlamm, w䥠F.A. Meyer vermutlich zur뷥isen. Die drei Abk�inge des j鳣hen Feuilletons werden, bei unterschiedlicher Radikalit䴬 eher einer demokratisch-radikalen Rechten als der Linken zugeordnet. Auf Seite 194 seines Kolumnenbandes mit Gespr䣨en senkt nun aber Frank A. Meyer den Kopf, schliesst die Augen und betet:

"Der gute Journalismus steht immer links. ( ) Aus diesem Grund gibt es kaum Rechtsintellektuelle. Das kultivierte Denken ist nicht rechts."

Die zugeklemmten Augen betreffen etwa die angels䣨sische, franz㩳che, russische, j鳣he, auch schweizerische und zumal bernische Publizistik. Bei aller Anerkennung seiner Lebensleistung w䥠ich nicht behaupten, dass Frank A. Meyer in Sachen Mut, Eigenrisiko, tr䦥r Formulierungsf䨩gkeit, auch analytischer Tiefensch䲦e bei unvermeidlicher Beschr䮫theit da und dort, in Wortschatz und Humor, Uli D⥮matt, dem Grossvater von Friedrich D⥮matt, Herausgeber der "Buchsi-Zitig", 岬egen w䲥. Dieser war als erzkonservativer Demokrat klar rechts von der heutigen SVP positioniert, st䲫er gegen die "Reichen", was fr岠weder bei Rechten noch bei Linken ohne gelegentliche antisemitische Entgleisungen abging. Meyers Selbstverst䮤nis von exklusiv linkem gutem Journalismus h䮧t wohl damit zusammen, dass ihm fडs faszinierende Gr嬮 in Zeitungsarchiven wie auch fऩe Lekt堭issliebiger Bl䴴er und Autoren die Zeit nach seinem 70. Geburtstag m笩cherweise zu knapp geworden ist. ܢer Rechtsintellektuelle w䥠sich eine "Cicero"-Sondernummer trotzdem lohnen. Es darf vor ihnen st䲫er gewarnt werden als vor Frank A. Meyer.

Common sense zwischen Minger und Ritschard

Ein sogenannter "Scheissliberaler" auf dem Weg des geringsten Widerstandes war der autodidaktisch gebildete Sohn eines Bieler Uhrmachers nie. Seine Kritik an der Klasse der von ihm als "neoliberal" bezeichneten Manager, Banker und entsprechenden Politikern liest sich in vielem wie ein neoprotestantischer Aufruf zu mehr innerweltlicher Askese, zumal mehr B祲sinn. "Gemeinsinn", wie es die FDP in ihrer umstrittenen neuesten Wahlwerbung verbalisiert. Zum "Common sense" eines Demokraten von schweizerischem Zuschnitt passt sein 榥ntliches Kopfsch䥬n im "Sonntagsblick" (14.09.2014) 岠den Befund einer Bank, ein Landwirt passe von den beruflichen Voraussetzungen her nicht einen Bankrat.

Als Seel䮤er erinnert sich Meyer gut an Bundesrat Rudolf Minger (Mitglied der Landesbeh⤥ von 1929 - 1940). Er starb wie Thomas Mann im August 1955, als der Knabe Frank wie der im Tempel debattierende Jesus knapp 12 Jahre alt war. Beide, der "provinzielle" kleindemokratische Seel䮤er, und der progressive deutsche Bildungsb祲 mit europ䩳chem Horizont, scheinen bei Meyer als Orientierungspunkte gegeben. Bei einer Bundesratswahl erhielt er mal gegen ein Dutzend Stimmen, und nach Thomas Manns etwas elit䲥m Begriff des B祲s mag er sich lieber orientieren als nach dem Solothurner Beizenhocker Peter Bichsel, der hartn䣫iger als einst Gottfried Keller ein "kleiner Schweizer" geblieben ist. Mit Bichsel zusammen gab F.A. Meyer eine seiner wertvollsten Publikationen heraus (Willi Ritschard, Ringier 1984), eines der wenigen zeitgeschichtlichen B襲 岠einen Bundesrat, das den Altpapierwert 岳teigt.

In 46 Jahren wurde Frank A. Meyer im eigenen Land und noch ausgepr䧴er in Deutschland zum vielleicht bestbeachteten Schweizer Journalisten. Die Gespr䣨e mit Jakob Augstein (und Marc Walder) sind mehr als Selbstdarstellung. Im Vordergrund stehen Reflexionen 岠die Demokratie als "System der Ent-T䵳chungen", also der mittleren Unzufriedenheit, welche f३n System von Kompromissen selbstverst䮤lich sei. Diese Perspektive ist zweifelsohne schweizerisch.

Wittgensteins Vetter - "ein Demokratiever䣨ter"?

Zum Wesen des Politischen gehⴠdie Differenzierung in Freund und Feind. Mit der Staatslehre von Carl Schmitt, von dem diese These stammt, geht Meyer wohl noch weniger eins als mit der Klassenkampftheorie von Karl Marx, dessen Analyse er als "sehr stark" bezeichnet, ohne sie zu teilen.Als Meyers politische Vogelscheuche hat meist der "Neoliberalismus" herzuhalten, konkret Friedrich August von Hayek (1899-1991), der Cousin des Philosophen Ludwig Wittgenstein und mit dem gleichaltrigen Wilhelm R૥, einer der Gr䥲 der "Mont P鬥rin Society". Ihm ruft der Ringier-Chefpublizist 岳 Grab hinaus den Schandnamen des Demokratiever䣨ters nach. Davon ist mir zwar 1971 bei der ersten Lekt堳eines Hauptwerks "Der Weg zur Knechtschaft" nichts aufgefallen. Wie Meyer bediente sich Hayek bei seinem Engagement einer deutlichen Sprache, die man dann und wann eher journalistisch als philosophisch nehmen muss. Milton Friedman verlautbarte im Vorwort: "Der Kampf um die Freiheit muss immer wieder gewonnen werden. Die Sozialisten in allen Parteien, denen Hayek dieses Buch gewidmet hat, m㥮 wieder einmal 岺eugt oder niedergerungen werden, wenn sie und wir freie Menschen bleiben wollen." Das Postulat des Niederringens ist auch F.A. Meyer und seinem Gespr䣨spartner Jakob Augstein ein Anliegen, nur gilt es jetzt umgekehrt dem "Marktradikalismus". Das liest sich dann so:

Der Marktradikalismus ist zu Teilen ein Faschismus. Er definiert den Menschen ausschliesslich als Produzenten und Konsumenten von G岮. Er erniedrigt den Menschen zum rein 믮omischen Faktor. Das Raffinierte am Marktradikalismus ist, dass er vorgibt, das Individuum im Blick zu haben, die es 岠den Markt zu manipulieren gilt. Darin erblicke ich einen faschistischen Zug des angels䣨sischen "Marktradikalismus." Der Begriff "Faschismus", der beim ideologisch bornierten Teil der deutschen Linken traditionell den verpn Ausdruck "Nationalsozialismus" ersetzen muss, erh䬴 hier, wie es in der Politik zum Gemeinplatz geworden ist, semiotisch die Funktion einer Chiffre der Diskussionsverweigerung.

Die sogenannte Erniedrigung des Menschen zum rein 믮omischen Faktor h䮧t bei Hayek erkenntnistheoretisch mit einem positivistischen Ansatz zusammen. Methodisch gesehen eher ein naturwissenschaftliches Denken. "Wirklich ist, was der Fall ist", formulierte als Logiker Hayeks Vetter Wittgenstein, "fथn Werte", selbst die zum Nihilismus umgewerteten von Friedrich Nietzsche, endg䩧 aufgehⴠhaben, Diskussionsgegenst䮤e der Philosophie zu sein. Im Geist des Wiener Neopositivismus spricht man zum Beispiel im Zusammenhang mit der Natur nicht mehr von Sch঵ng. Es gilt die Poppersche Losung: Leben sei Probleml㥮. Beim L㥮 konkreter Probleme findet stets eine Reduktion statt. Beim Kaufen und Verkaufen geht es also um den Homo oeconomicus, nicht um Mystik und Sinn des Lebens, so wie in der modernen Krebstherapie die soziologischen und anthropologischen Fragestellungen des Patienten Fritz Angst ( Fritz Zorn "Mars") nun mal nicht inbegriffen sind. Die Beantwortung solcher Wertfragen wird von der medizinischen Wissenschaft nicht mitgeliefert. Analog verh䬴 es sich in der ֫onomie beim Popanz "Neoliberalismus". Ein einfaches Beispiel, nicht aus dem Buch von Meyer, ist f䬬ig.

Weltanschauliche Fragen d津n zum Beispiel die Verk䵦erin einer Ledertasche an der Bahnhofstrasse nicht interessieren, wie die "T䳣hli-Gate" Aff䲥 mit Opra Winfrey eindrucksvoll demonstrierte, wiewohl es sich vermutlich um ein Missverst䮤nis handelte. Streng neoliberal w䲥 es, beim Verkauf einer Ledertasche oder eines Maschinengewehrs oder eines Computers weder die "Rasse" (was es sowieso nicht gibt), noch die Religion, noch das Geschlecht, noch die politische Haltung, noch den moralischen Status der Kundschaft ins Spiel zu bringen. Weder der Mulattin Opra Winfrey, noch der Frau von Kim Jong Un, ja nicht einmal einer deutschen Sportlerin, welche mit einem NPD-Mitglied liiert war, sollte eine 300000 Franken teure Tasche vorenthalten bleiben. Auch die tierschꥲischen Gesichtspunkte werden streng liberal dem angeblichen Gewissen der Kundschaft 岬assen.

Kriterien"Jenseits von Angebot und Nachfrage"

Solche ܢerlegungen gelten jedoch auch im Neoliberalismus nur prinzipiell. Fȡyeks Jahrg䮧er und Weggef䨲ten Wilhelm R૥ (1899-1966) galten beim Gesch䦴en stets noch Kriterien jenseits von Angebot und "Nachfrage", wie der Titel von R૥s schem Buch hervorhebt. Nur sollten diese Kriterien nicht durch das Gesetz vorbestimmt, sondern dem gesellschaftlichen Konsens vorbehalten bleiben. Also statt der heutigen Diskussion 岠Sanktionen gegen Wladimir Putin freiwillig vereinbarter, ev. kartell䨮licher Verzicht auf "Todfeindhandel", wie ausgerechnet Neoliberale vor 60 Jahren den Osthandel in einem Anfall von Panik zu nennen beliebten. Da hingegen von Sᦲika weder Gef䨲dung des Weltfriedens noch ein Unterlaufen des Wirtschaftssystems ausgingen, wurden diesbez쩣he Boykotte abgelehnt. Sᦲikaboykotte fand ⩧ens der Schweizer SP-Pr䳩dent und Schaffhauser Industriepolitiker Walther Bringolf in einem vor Ort recherchierten Buch von 1968 ebenfalls nicht zielf⥮d.

Zu den liberalen Prinzipien gehⴠes nun aber zweifelsfrei, die Wirtschaft so unideologisch wie m笩ch zu betrachten. Dazu konnte sich die katholische Kirche mit ihrem jahrhundertelangen Zinsverbot schwer durchringen, Marxisten ausserhalb des modernen China noch schwerer. Einen ersten Schritt zu 믮omischer Aufkl䲵ng wagte der in Konstanz 1417 gew䨬te Papst Martin V. mit einer noch vorsichtigen Lockerung des Zinsverbotes, wie es heute im islamischen Banking mit ideologischen Umwegen praktiziert wird. Demgegen岠ist die "neoliberale Reduktion" des Wirtschaftspartners auf den Homo oeconomicus bloss ein Resultat der seit dem Nominalismus stattgefundenen Entwicklung zu mehr wissenschaftlichem Denken. Selbstverst䮤lich ist, dass auch der Homo oeconomicus Vertragspartner und in dem Sinn m䩧er Mensch ist.

Neoliberalismus eine Gegenreligion?

Mit Faschismus haben aber Hayek oder andere "Neoliberale" so wenig am Hut wie mit Uriella oder mit den meisten P䰳ten. Dabei setzen jedoch Jakob Augstein und Frank A. Meyer wohl illusion䲥 Hoffnungen in die prinzipienethische Kapitalismus-Kritik von Papst Franziskus betreffend. Ohne Kenntnis der Rhetorik einer Barockpredigt wittern sie bei p䰳tlichen Formulierungen wie die "Tyrannei der verg䴥rten Marktes" eine "zeitgem䳳e Analyse" eines heute zur "tyrannischen Gegenreligion" erhobenen Kapitalismus. Jakob Augstein versteigt sich sogar zum Bekenntnis: "Ich w䲥 jetzt gern katholisch." Eine solche Aussage ( "Es isch zum Kartholischw䤲de!") war unter dem Regime des aufgekl䲴en Absolutismus im alten Bern noch bei Busse als Blasphemie verboten.

An Meyers und Augsteins Projektionen 岠Faschismus und Katholizismus ist so viel richtig, dass dem angeblich "neoliberalen Glauben an den Markt" bei beiden historischen Popanz-Bewegungen erst recht keine Bedeutung zukommt. Weder ist der Neoliberalismus gl䵢ig, noch hat der angebliche Glaube an den Markt irgendetwas mit Faschismus oder Nationalsozialismus zu tun. Wilhelm R૥ verwies schon 1930 in seinem ber�n Appell an das nieders䣨sische Landvolk auf die Unvereinbarkeit marktwirtschaftlicher Prinzipien mit den propagandistischen Absichten der Nationalsozialisten. Deswegen ging er als einer der ersten ֫onomen ins Exil nach Genf.

Die Hoffnungen von Frank A. Meyer und des neben ihm jugendlich wirkenden Jakob Augstein auf den Papst ken sich indes schon bald zerschlagen. Das in popul䲥m Stil abgefasste apostolische Schreiben "Evangelii gaudium" (2012) kommt analytisch schmal einher und wird, wie Insider andeuten, schon bald durch eine neue Sozialenzyklika abgel㴮 Neben den Befreiungstheologen, die derzeit den Papst hofieren, darunter als bedeutendster der deutsche Soziologe und Priester Josef Sayer, einst Geistlicher in Peru, w䣨st der Einfluss des nach Rom berufenen Pr䳩denten der p䰳tlichen Universit䴠von Buenos Aires, Erzbischof Victor Manuel Fernandez. Immerhin scheint Papst Franziskus in der Hitze des Gefechts sein letztes Schreiben zur Freude der Journalisten noch weitgehend selber verfasst zu haben. Erzbischof Fernandez, der als bedeutendster s᭥rikanischer Sozialethiker gilt, steht st䲫er als die Befreiungstheologen auf dem Boden der seit 1891 als Alternative zum Klassenkampf entwickelten katholischen Soziallehre.

Die katholischen Auffassungen 岠Wirtschaft und Recht sind seit dem diesbez쩣h einflussreichsten Jesuiten Oswald von Nell-Breuning (1890-1991) mit der Anerkennung des Subsidiarit䴳prinzips aus liberaler Sicht nicht unvern洩g, jedoch 䨮lich wie die Lehre von Ehe und Empf䮧nisverh宧 l䮧st nicht mehr von relevantem politischem Einfluss. Gem䳳 F.A. Meyer verf䠐apst Franziskus 岠das analytische Besteck, "um die neoliberale Ideologie wirklich zu sezieren." Dies ist kaum der Fall. Insofern die "Ideologie des Marktes als Religion" bezeichnet wird, liegt eine Fehlanalyse vor. Wenn schon, dann w䲥 es ein Glaube ohne Religion, und erst noch einer, dem im Ernstfall, wenn es um Leben und Tod geht, die Gl䵢igen sofort abhandenkommen. Im Gegensatz zum Islam, der real existiert, ist der Neoliberalismus vielleicht als seminaristische Theorie greifbar, auch als Thema von Wirtschaftspodien. Es ist aber nicht so, dass diese Theorien, 䨮lich wie die ihnen entsprechenden vier Wirtschaftsprinzipien der Europ䩳chen Union, von irgendjemandem im realen Ernstfall geglaubt w䥮. Im Augenblick eines Flugzeugabsturzes sage ich vielleicht "Allah!" oder "Jesus!", aber definitiv empfinde ich das Ereignis nicht als einen Sieg des Marktes. Falls in Europa ein Glaube Zukunft hat, sind es die f栓䵬en des Islam. Aber wohl kaum die neoliberalen vier unverhandelbaren Prinzipien der europ䩳chen Union.

"Citoyen" contra Besitzb祲

Unbeschadet von Fehlanalysen bleibt es dabei, dass der Papst wie auch Meyer einen ethischen Diskurs f⥮. Bei Meyer geht es nicht um den Gegensatz zwischen Gl䵢igen und Ungl䵢igen, sondern um den Gegensatz zwischen "Citoyen" und "Bourgeois". Dieser Gegensatz, der historisch in Jean-Jacques Rousseaus Genf noch weitgehend eine Einheit bildete, scheint bei Meyer hochmoralisch konnotiert. Der Citoyen ist so etwas wie der Idealb祲, der Bourgeois der Besitzb祲. Der Sozialhilfe- und Subventionsempf䮧er, der im Umverteilungsstaat jenseits von Missbrauch streng auf seine Rechte und Anspr襠pocht, steht anscheinend dem Typus des Citoyen immer noch n䨥r als etwa Vertreter der Bourgeoisie wie Uli Hs oder die Familie Steffi Graf, welche dem Staat zwar einerseits Millionen abliefern, weitere Millionen aber lieber vor dem Fiskus ins Trockene gebracht h䴴en. Desgleichen stehen Erben grosser Verm祮 in Frankreich 䨮lich am Pranger wie fr岠in der Schweiz Dienstverweigerer und Vaterlandsverr䴥r.

Der Forderungsdruck h䮧t mit dem Sozialstaat zusammen, der im Gegensatz zum Neoliberalismus nicht nur als Ideologie existiert. Die explodierenden Kosten fallen unterdessen sogar in der Schweiz derart ins Gewicht, dass dies im September 2014 von Ringiers "Boulevard-Blatt Blick" tagelang zum Thema gemacht wurde.

FƲank A. Meyer ist der Sozialstaat, womit er gesinnungsethisch wahrscheinlich Recht hat, eine der h㨳ten Errungenschaften der Kultur. So 䨮lich sieht es auch Peter Sloterdijk. In der unvermeidlichen Krise des Sozialstaates aber pl䤩ert der Philosoph f୥hr Wertsch䴺ung gegen岠den Gebern, w䨲end Ringiers Chefpublizist etwa mit dem Sprachgebrauch "Gauner" verbal konsequent die Kriminalisierung unwilliger Nettozahler betreibt. Andererseits erkennt Meyer in Perversionen einer unkontrolliert losgelassenen Sozialindustrie, so mit Fr. 290'000. monatlich fӯndersettings bei einem jugendlichen Kriminellen, "Carlos", klar die Gefahren, die aus solchen oft sogar legalen Absurdit䴥n fडs Gesamtsystem des Sozialstaates heraufbeschworen werden.

"Kein unangenehmer Mensch, kein Journalist"

Zu den Qualit䴥n eines anregenden Gespr䣨sbandes tr䧴 bei, dass der Dialog zwischen Augstein und Meyer auf Augenh襠stattfindet. St䲫er als Meyer stellt sich Augstein nicht bloss dem Auflagenverlust, auch dem Bedeutungsverlust der Printpresse. Fast grenzt es an Blasphemie, wenn Jakob Augstein auf Seite 189 Frank A. Meyer das fragw䩧e Kompliment macht, "kein unangenehmer Mensch, aber ebenso wenig ein Journalist zu sein." Er sei vielmehr Aphoristiker und Essayist, ein Schriftsteller ohne dicke B襲. Dem h䬴 Meyer entgegen, dass er fr岠mal journalistische Portr䴳 verfasst habe. ܢrigens exzellente, wie der Kritiker hinzuf宠m㨴e. Danach folgen ein paar Zeilen, die FAM, solange er noch selber recherchierte, nie unterlaufen w䲥n:

"Ich lege meine Kolumnen oft wie eine Lupe auf eine scheinbar kleine Sache. Wie beispielsweise eine Entscheidung der Luzerner Kantonsregierung, die beschloss, Berufsschulen und Gymnasien fથweils zwei Wochen im Jahr zu schliessen. Dank des eingesparten Geldes sollten Steuern gesenkt werden, und zwar mit dem Ziel, neue Unternehmen anzusiedeln."

Als einer von Luzerns Bildungshistorikern mit Einblick in die Verh䬴nisse vor Ort kann ich nur staunen, wie Frank A. Meyer von Berlin aus ohne weitere R릲agen einen solchen Kommentar machen konnte. Es handelte sich n䭬ich um eine nicht durchgefⴥ Schnapsidee: Ausgeburt einer Bildungsb﫲atie, die dann und wann verzweifelt um ihre Existenzberechtigung ringt. Das Ziel, dank zwei Wochen Schulschliessung neue Unternehmungen anzusiedeln, ist in dieser Absurdit䴠auch vom Hinterletzten dieser Funktion䲥 so nie formuliert worden.

Dass aber die Kritik an "Usura", dem verantwortungslosen und vor allem geistlosen Umgang mit Geld und Reichtum, das kritische Hauptanliegen des Buches, jederzeit eine politische Auseinandersetzung wert ist, wird hier nicht bem䫥lt. Im Gegenteil. Am st䲫sten macht Frank A. Meyer auf mich Eindruck in seinem Bestreben, dem Begriff "b祲lich" nach M笩chkeit einen positiven Sinn abzugewinnen. Schon sein Vater, ein fleissiger Uhrmacher und bekennender Sozialdemokrat und Gewerkschafter, trug aus Berufsstolz eine Krawatte beim Arbeiten, wollte also ein "B祲" sein. In einer Haltung dieser Art manifestiert sich die von Max Weber charakterisierte protestantische Ethik. "Er will etwas retten, was kaum noch vorhanden ist", schrieb mir dazu ein Schweizer Politbeobachter 岠Frank A. Meyer.

Eine Schlusspointe dieser Art w䥠Frank A. Meyer weder mir noch dem "Schweizer Monat" durchgehen lassen. Jakob Augstein gegen岠bekannte er: Ich habe in meinem ganzen Leben keinen meiner Artikel und ihre Zahl geht in die Tausende mit Hoffnungslosigkeit enden lassen. Oft h䴴e mir ein resignativer Schluss eine Pointe erm笩cht, aber ich funktioniere nicht so. Ich bin zutiefst davon 岺eugt, dass man etwas tun muss. Sie tun ja auch etwas. Sie rollen, um mit Camus zu reden, mit Ihrer Zeitung ( der "Freitag", P.M.) jeden Donnerstag einen "Stein auf den Berg."

Hinweise

Alle Zitate oder Zusammenfassungen aus:

Frank A. Meyer: "Es wird eine Rebellion geben. Was unsere Demokratie jetzt braucht Gespr䣨e mit Jakob Augstein", orell f㬩 Verlag, Z飨 2014.

Frank A. Meyer: "Willi Ritschard", Ringier, Z飨 1984.

Friedrich A. von Hayek: "Der Weg zur Knechtschaft" 2. Auflage, verlag moderne industrie, M㨥n 1971.

Ludwig Wittgenstein: "Tractatus logico-philosophicus", 7. Auflage, Suhrkamp, Frankfurt am M. 1999.

Walther Bringolf: "Gespr䣨e 岠Sᦲika", Artemis, Z飨 1968.

Papst Franziskus (Jorge Mario Bergoglio SJ): "Evangelii Gaudium, Apostolisches Schreiben 岠die Verk䩧ung des Evangeliums in der Welt von heute", Rom 2013

Wilhelm R૥: "Jenseits von Angebot und Nachfrage", 4. Auflage, Rentsch-Verlag, Erlenbach-Z飨 1959.

 

Das Titelmotto verdankt der Autor einem Mailwechsel mit Klaus J. Stoehlker. Das sp䴩sche Zitat 岠Hans Habe stammt von dessen Tessiner Nachbarn Robert Neumann (1897 1975).

Von Pirmin Meier ist in Neuausgabe soeben erschienen: "Ich Bruder Klaus von Flũne Geschichte aus der Inneren Schweiz", 3. Auflage, Unionsverlag, Z飨 2014 (gilt nach Mystik-Kenner Alois M. Haas als beste Interpretation von Leben und Visionswelt des Schweizer Nationalheiligen).

Pirmin Meiers Hauptwerk und Bestseller "Paracelsus, Arzt und Prophet", wurde in der 6. Auflage (Unionsverlag Z飨 2013) dem Andenken von Otto Stich gewidmet, womit die einleitende Anekdote dieses Beitrags noch mit einer zus䴺lichen kleinen Pointe versehen ist.

Copyright 2014 Pirmin Meier


ⰱ8 by Andreas K. Winterberger

有些人说,刘燕酿制效果真的很棒吗?为什么这么不可思议呢粉嫩公主酒酿蛋?其实丰胸本来就不难,只要让乳腺通畅,整理身体,吸收胸部必要的营养物质丰胸产品,自然就会变大。另外,酿酒蛋丰胸的确历史悠久,有着五千多年的历史,除了长达七年的研究之外丰胸方法,有效果当然不是我的共享来到这里,感谢我的帮助和鼓励。如果想知道更多的话丰胸食物,可以咨询粉嫩公主酒酿蛋正品总代媛媛,变成大胸不是梦。